Testbericht Point-7 Spy 2016

Point-7 Spy 2016

Nachdem leider nicht alle Tage mit einem 4.0 oder 4.8 fahrbar sind, wollte ich ein richtig großes Wavesegel! Denn damit kann man auch an mittelmäßigen Tagen viel Spaß haben kann. Daher habe ich mich für das Point-7 Spy 2016 in 6.4 Quadratmetern entschieden.

Von diesem Fünf-Latten-Wavesegel erwartete ich mir jede Menge Vortrieb, um auch bei mageren Windbedingungen gut ins Rutschen zu kommen. Auf der anderen Seite sollte das Segel trotz der Größe in der Welle noch gut zu handeln ist. Ob das Point-7 Spy 2016 genau diese Erwartungen erfüllen konnte, erfahrt ihr hier!

Die Testbedingungen

Getestet habe ich das Segel in den Wellen von Puzziteddu, dem Flachwasser von Lo Stagnone und den kabbeligen Bedingungen vom Gardasee. Dabei musste sich das Point-7 Spy 2016 in Wellen bis circa 2 Metern bewähren und zeigen, ob es auch bei Leichtwind genügend Drive zum Wellenreiten und Freeriden erzeugt.

Die Optik

Das Point-7 Spy 2016 ist deutlich unauffälliger gestaltet wie sein kleiner Bruder, das Point-7 Salt Campello LTD 2016. Wie üblich bei Point-7 ist es überwiegend schwarz gehalten  und mit gelungenen blauen Akzenten garniert. Somit erinnert das Spy schon fast an ein kleines Racesegel.

Die Bauweise

Point-7 SpyMit durchgehendem X-Ply auch im Bereich des Sichtfensters kommt das Point-7 Spy 2016 standardmäßig in der „Heavy-Duty-Variante“. In der finalen Version kommt das Spy nicht mit dem berühmten orangenen und somit UV-resistenten Monofilm von Point-7. Hier sorgte die Marketing-Abteilung von Point-7 leider für etwas Verwirrung: Sämtliche offiziellen Produktbilder des Spys bilden das Segel mit dem orangenen Monofilm ab. Da sich dieser in den zahlreichen Tests jedoch als zu dehnbar für das Segel herausstellte, verwendete man in der finalen Version normalen Monofilm.

Easy To Rig

„Easy to rig“, also wie leicht ein Segel aufzuriggen ist, ist für mich immer von entscheidender Bedeutung. Schließlich habe ich keine Lust eine gefühlte Ewigkeit damit zu verbringen, mein Segel aufzubauen und zu trimmen. Leider hat das Point-7 Spy 2016 genau wie sein kleiner Bruder, das Salt, hier die größten Probleme. So musste ich bei der Mastverlängerung um ganze zehn Zentimeter und am Schothorn um sechs Zentimeter von den Herstellerangaben abweichen, um das Segel leistungsgerecht zu trimmen. Andernfalls war das Segel schwerfällig und lag im Lee bis auf Höhe der Trapeztampen am Gabelbaum an. Hässliche Kratzer im Monofilm waren die Folge. Sind kleine Abweichungen Gang und Gebe und vor allem für den windgerechten Trimm eines Segels erforderlich, sind Abweichungen dieser Größenordnung nicht hinnehmbar. Während erfahrene Surfer die Problematik schnell erkennen und korrigieren können, fällt es Gelegenheitssurfern sicherlich schwer das Segel ordentlich zu trimmen. Da hat Point-7 noch einigen Verbesserungsbedarf!

Die Fahrweise

Beim Testen des Point-7 Spy 2016 habe ich vor allem auf folgende Kriterien geachtet:

  • Beschleunigung, Durchgleiten und Top-Speed
  • Handling
  • On und Off in der Welle
  • Flachwasser-Eignung

Beschleunigung, Durchgleiten und Top-Speed

Point-7 SpyWer ein 6.4er auf sein Waveboard schraubt, der ist nicht gerade in kompromisslosen Bedingungen unterwegs! Umso wichtiger ist die Beschleunigung und das Durchgleitvermögen eines Segels, um auch bei schwierigen Windverhältnissen das Bestmögliche rauszuholen. Das Point-7 Spy 2016 ist von Haus aus sehr bauchig und kommt dank der fünf Latten mit einem stabilen Profil daher. Dies merkt man bei der Beschleunigung, da jeder Windhauch in entsprechenden Vortrieb umgewandelt wird. Auch in Windlöchern kann das Spy den Speed lange halten. Zusammen mit einer guten Endgeschwindigkeit, erfüllt das Point-7 Spy 2016 so alle Voraussetzungen, um auch bei Leichtwind auf seine Kosten zu kommen.

Handling

Spielt das bauchige Fünf-Latten-Profil bei der Beschleunigung seine Vorteile noch voll aus, muss man beim Handling den ein oder anderen Kompromiss in Kauf nehmen. Fünf-Latten-Segel liegen generell etwas schwerer in der Hand als die agilen Vier- oder gar Drei-Latter. Die Größe von 6,4 Quadratmetern tut sein übriges dazu. Dennoch liegt das Segel gut in der Hand und lässt sich – den richtigen Trimm vorausgesetzt – gut kontrollieren.

On und Off in der Welle

Das etwas schwerere und reaktionsärmere Handling im Vergleich zu Vier-Latten-Segeln zeigt sich auch im On und Off in der Welle. Um das Point-7 Spy 2016 neutral zu stellen, braucht man schon etwas Übung und vor allem Segelgefühl. Ist es erst einmal neutral und fährt dann der Wind wieder in das Segel, katapultiert einen der mächtige Vortrieb wieder vor die Welle. Mit etwas Übung lässt sich das Segel jedoch auch in der Welle gut kontrollieren und ermöglicht auch so bei Bedingungen am unteren Gleitwind-Limit schnelle Turns und aggressive Cutbacks.

Point-7 SpyFlachwasser-Eignung

Wer den Teil mit der Beschleunigung gelesen hat, kann sich seinen Teil sicherlich denken: Das Point-7 Spy 2016 muss sich auch auf Flachwasser beim Freeriden nicht verstecken. Selbst einen 120-Liter-Freerider bringt das Spy spielend ins Rutschen und die Gleitleistung lässt den Verdacht aufkommen, ob es sich beim Spy nicht eher um einen Freerider mit Wave-Ambitionen als umgekehrt handelt. 😉 Einmal dicht geholt, liegt das Segel druckpunktstabil in der Hand und ermöglicht so schönes und vor allem entspanntes Freeriden. Aufgrund der guten Beschleunigung habe ich das Segel sogar beim Freestylen getestet. Radikale Tricks sind zwar bei dieser Segelgröße von Haus aus nicht mehr möglich, für die ein oder andere Air Jibe reicht es aber noch!

Mein Fazit zum Point-7 Spy 2016

Point-7 Spy

Wird einem mit dem Point-7 Spy 6.4 öfter passieren…allein auf weiter Flur!

Wer sich ein Segel in dieser Größe zulegt, weiß dass er Kompromisse eingehen muss. Doch diese Kompromisse geht man gerne ein, wenn man dafür noch Spaß hat, während andere nur noch am Strand stehen. Das Spy ist hierfür ideal: Mit hervorragender Gleitleistung lässt es einen in der Welle nie im Stich. So hat man immer die Power für den ein oder anderen Move oder auch die Geschwindigkeit um sich vor dem ein oder anderen Set in Sicherheit zu bringen. Das etwas schwerfälligere Handling des Point-7 Spy 2016 im Vergleich zu seinem kleinem Bruder ist wohl eher der enormen Größe für ein Wave-Segel geschuldet. Wer sich für ein solches Segel entscheidet, kann seine Zeit in der Welle merklich ausbauen und kriegt ein sehr gutes Freeride-Segel obendrauf mit dazu! Lediglich die unzuverlässigen Längenangaben muss Point-7 schleunigst korrigieren.

Mehr Informationen zum Segel bekommt ihr auf der Point-7-Homepage.

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