Der große Skandinavien Roadtrip: Teil IV

Bis nach Bergen hatten wir es nun schon geschafft und unzählige Eindrücke gesammelt. Nichtsdestotrotz waren wir nach wie vor versessen darauf noch mehr zu erleben. Der ursprüngliche Plan sah vor, von Bergen schnurstracks nach Stavanger zu fahren. Doch im Internet stießen wir auf den Buarbreen, einen Ausläufer des Folgefonna-Gletschers und entschlossen uns, dorthin zu fahren.

Also ging es von Bergen nach Odda wieder ein Stück ins Landesinnere zurück. Von Kvanndal setzten wir mit der Fähre nach Utne über und fuhren an Aga vorbei Richtung Odda. Auch dieser Fjord war wieder anders als alle anderen bisher und die unzähligen Apfel- und Obstplantagen entlang des Fjordes vermittelten einen mediterranen Eindruck.

An Odda vorbei Richtung Süden zeigte uns schon bald ein Schild mit der Aufschrift Buarbreen den Weg zum Gletscher. Über eine schmale Zufahrtsstraße kommt man an den kostenpflichtigen (ca. 15€/Tag) Parkplatz, der auch Ausgangspunkt der Wanderung ist. Schon vom Parkplatz aus sieht man den Gletscher in mehreren hundert Metern Höhe auf den Gipfeln liegen. Nicht umsonst sollte diese Wanderung deutlich anspruchsvoller werden als zum Nigardsbreen.

Da es mittlerweile sinnflutartig regnete, entschlossen wir uns die Wanderung auf den kommenden Tag zu verschieben. Also wurde ausgiebig gekocht, gegessen und gechillt, ehe wir dem immer lauter werdenden Ruf des Bettes folgten.

Unsere Entscheidung die Wanderung zu verschieben, sollte sich als goldrichtig herausstellen: Am nächsten Morgen begrüßte uns strahlender Sonnenschein. Im Licht der Morgensonne wirkte der Buarbreen noch beeindruckender und nach einem kurzen Frühstück machten wir uns  auf den Weg.

Die Wanderung führt immer am reißenden Gletscherfluss entlang oder auch mal über diesen drüber und nach jeder Kurve wartet ein noch besserer Ausblick auf den Gletscher, der einen magisch anzuziehen schein. Unaufhörlich kommt man dem mächtigen Eis näher und muss dafür einige Kletterpassagen, die mit Tauen gesichert sind, meistern. Gute Ausrüstung ist hier Pflicht! Insgesamt eine der schönsten Wanderungen, die ich bisher gemacht habe. Für die knapp 2,5 Kilometer und 430 Höhenmeter benötigten wir knapp 1,5 Stunden.

Oben angekommen ließ uns der im wahrsten Sinne des Wortes eiskalte Wind frieren und wir genossen das Panorama: Vor uns eine Steilwand, umschlungen vom blauen Gletschereis, neben uns reißende Flüsse und hinter uns ein traumhafter Weitblick durch das grüne Tal bis hinunter zu einem tiefblauen See. Nachdem wir uns sattgesehen hatten, machten wir uns wieder an den Abstieg. Während wir die Tour schon fast hinter uns hatten, kamen uns nun die ersten Massen an Touristen entgegen und wir waren froh den Weg und den Gletscher ganz für uns alleine gehabt zu haben.

Von Odda aus machten wir uns nun auf den Weg in Richtung Stavanger. Mit dieser Stadt hatten wir uns nicht wirklich befasst, sie entpuppte sich aber als quirlliges und schönes kleines Städtchen. Nach einem Bummel durch die Stadt und einer Stärkung in einem leckeren Burger-Restaurant grübelten wir über den weiteren Plan.

Wir wollten auf jeden Fall noch auf den Preikestolen, aber für die nächsten Tage kündigte sich heftiger Starkregen an. Wir dachten über Alternativen nach und dabei fiel mein Blick auf Lista. Der Spot im Südwesten Norwegens soll einer der schönsten und radikalsten Wavespots Norwegen sein und für die nächsten Tage kündigten sich dort traumhafte Windsurfbedingungen und schönes Wetter an. Die Entscheidung war innerhalb weniger Sekunden gefallen!

So verließen wir Stavanger in Richtung Süden und in Vorfreude auf die kommenden Tage brach mein Windsurffieber wieder aus. In der Tat strahlte in Lista die Sonne und ich machte mir einen ersten Eindruck vom Spot. Lista besteht vollständig aus großen Steinen und einer Felsplatte. Die Strömung drückt direkt an die Mole und die Welle bricht kraftvoll. Da Mole und der felsige Strand aus den selben Steinen sind, fällt die Orientierung besonders schwer. Kein Zweifel, ein Spot für Experten!

Glücklicherweise fanden sich noch zwei norwegische Locals ein, die mich mit wertvollen Tipps über den Spot versorgten und kurze Zeit später fand ich mich endlich auf meinem Windsurfboard wieder. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hatte ich die beste Session seit Langem: bis zu drei Meter hohe Wellen mit Wind von rechts, Wind für mein 4.7er und nur zu dritt auf dem Wasser. Besser könnte es kaum sein. Auch wenn nach Aussage der Locals die Windrichtung nicht 100%ig passte und Lista eigentlich noch besser werden kann, war ich total begeistert. Auch am nächsten Tag tobte ich mich in Lista nochmal aus und mir war klar, dass ich den Spot sicherlich nicht zum letzten Mal besucht haben werde.

Nach knapp zweieinhalb Tagen in Lista checkten wir wieder das Wetter und siehe da: der Starkregen über Stavanger hatte sich verzogen und für die nächsten Tage kündigte sich schönes oder zumindest trockenes Wetter an. Also fuhren wir wieder zurück in Richtung Stavanger. In der Zwischenzeit hatten wir uns ausgiebig informiert und wussten, dass der Preikestolen heillos von Touristen überlaufen ist. Um diesen Massen zu entgehen, wollten wir den Preikestolen in der Nacht hochwandern und in der Früh den Sonnenaufgang über dem Lyseboten-Fjord genießen.

Gesagt, getan und am folgenden Tag machten wir uns um halb drei in der Früh auf den Weg. Ausgerüstet mit Stirnlampen, Taschenlampen und Gaslaternen stiegen wir die knapp 600 Höhenmeter zum Preikestolen nach oben. Die Route nicht sehr anspruchsvoll und verläuft meistens auf künstlich angelegten Wegen. Daher ist die Wanderung auch in der Nacht gut möglich.  Der klare Himmel zeigte seine Sterne in voller Pracht  und am Horizont leuchtete Stavanger. Das waren Eindrücke, wie ich sie auf einer Wanderung noch nie gemacht habe.

Fast eine Stunde vor Sonnenaufgang kamen wir am Preikestolen an und stellten fest, dass wir nicht die einzigen waren, die auf die Idee mit dem Sonnenaufgang gekommen bin. Mehr als zehn kleine Zelte standen um den Preikestolen herum und mit den anderen Nachtwanderern war der Preikestolen schon in der Früh mit circa 30 Wanderern gut besucht. Wir wanderten am Preikestolen vorbei um von weiter oben einen noch besseren Blick zu haben.

Wir fieberten den Sonnenaufgang entgegen, doch leider trübte sich der Himmel zunehmend ein. Dies war weiter nicht schlimm, denn am Horizont blieb ein schmaler Streifen frei und als sich die Sonne über die Berge schob und genau durch diesen Streifen schien, wurde der ganze Fjord beleuchtet. Alles lag in einem goldenen Licht ehe wenige Minuten später die Sonne hinter den Wolken verschwand und der Zauber sein Ende fand.

Nach dem Sonnenaufgang stiegen wir wieder zum Preikestolen herab und blickten über die Kante über 600 Meter in die Tiefe. Beeindruckend!

Gegen 7:30 Uhr in der Früh machten wir uns wieder auf den Weg nach unten und nach einem ausführlichen Frühstück direkt am Fjordufer hieß es ersteinmal Schlaf nachholen.

Damit ging auch unser großer Skandinavien Roadtrip zu Ende und wir fuhren in Richtung Kristiansand um mit der Fähre nach Dänemark überzusetzen und zurück nach München zu fahren.

Wie war er also unser Skandinavien Roadtrip: Auch wenn wir der groben Route tatsächlich relativ genau folgten, erlebten wir einiges woran wir im Vorfeld im Traum nicht gedacht hätten. Weder hatten wir Gletscherwanderungen auf dem Schirm, noch Kajaktouren mit Seerobben. Wir sammelten Unmengen an Eindrücken und im Endeffekt entpuppte sich der Skandinavien Roadtrip als die richtige Mischung zwischen Städtetrip und Urlaub zwischen Berg und Meer. Genau so hatten wir uns den Skandinavien Roadtrip erhofft. SURFANDCLIMB halt….

Anfang verpasst? Hier geht es zu Teil I, Teil II und Teil III.

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