Der große Skandinavien Roadtrip: Teil III

In etwas mehr als einer Woche ließen wir die windige Küste Dänemarks und die schwedische Westküste hinter uns, so dass uns unser Skandinavien Roadtrip früh nach Norwegen trieb. Dort angekommen, kommt man an Oslo kaum vorbei und so legten wir in der norwegischen Hauptstadt einen Tagesstopp ein. Strahlender Sonnenschein begrüßte uns in aller Früh und vom Holmenkollen hatte meine eine herrliche Aussicht über die Stadt und den dazugehörigen Oslofjord.

Mit der U-Bahn ging es in das Zentrum der Metropole und Schritt für Schritt klapperten wir die klassischen Sehenswürdigkeiten ab: das Rathaus, die Festung Akershus, das Opernhaus, das Vikingerschiff-Museum und den Skulpturenpark. Zwischendrin stärkten wir uns in einem Restaurant und die lokalen Preise ließen mein Herzinfarktrisiko in die Höhe schnellen. Die hohen Preise wurden durch das leckere Essen entschädigt und so verließen wir noch am selben Abend Oslo satt und voller neuer Eindrücke.

Schon kurz nach Oslo begann das Norwegen, das wir uns erhofft hatten: Endlose Straßen, immer entlang von Fjorden oder reißenden Flüssen. Wilde Landschaften, unterbrochen von hunderten von Wasserfällen oder markanten Felsvorsprüngen.

Wir genossen die Fahrt durch Norwegen auch wenn wir eine neue Erfahrung machen mussten: In Norwegen misst man die Entfernung nicht in Kilometern, sondern in der Zeit die man benötigt um zum Ziel zu gelangen. Vier Stunden für 200 Kilometer sind hier keine Seltenheit. Am Anfang musste ich mich daran erst gewöhnen, doch stellte sich dies mit der Zeit als die größte Hilfe zur Entschleunigung und Entspannung heraus. So hatte man alle Zeit der Welt um die atemberaubende Natur auch vom Auto aus bewundern zu können.

Apropo Natur: Vergleichbares hatten wir noch nicht gesehen. Derart wild und unberührt findet man in Zentraleuropa kaum noch Landschaften. Ein atemberaubendes Erlebnis! Verstärkt wurde dies dadurch, dass jeder Fjord seine eigene Charakteristik aufweist. So fuhren wir durch Landschaften, die uns an den Gardasee oder Sardinien erinnerten und einige Kurven später schien es, als würden wir durch die schottische Hochebene fahren. Reizüberflutung garantiert! Genau das hatten wir uns von unserem Skandinavien Roadtrip erhofft.

Von Oslo aus fuhren wir nach Marifjøra. Da wir erst abends in Oslo starteten, stoppten wir für die Nacht auf einem der unzähligen schönen und gepflegten Rastplätze Norwegens. Mit grandioser Aussicht auf einen spiegelglatten Stausee wachten wir am nächsten Morgen auf und machten uns an die letzten 150 Kilometer – oder besser gesagt an die letzten 2.5 Stunden. In Marifjøra angekommen, bezogen wir einen der schönsten Campingplätze unserer Tour. Direkt am türkisblauen Lustrafjord gelegen mit atemberaubender Aussicht auf den 218 Meter hohen Feigefossen-Wasserfall. Den restlichen Tag ließen wir die Seele baumeln und entspannten bei weiterhin strahlendem Sonnenschein.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, da wir uns zu einer vierstündigen Kajaktour angemeldet hatten. Die Besonderheit an dieser Tour: Sie führt in die Nähe einer Robbenkolonie, die hier, 180 Kilometer vom offenen Meer entfernt, ihr zuhause gefunden hat. Auf den Weg dorthin erfährt man viel über die Entstehung der Fjorde, deren sensibles Ökosystem und über das Leben in Norwegen. So verging die Zeit wie im Fluge und nach knapp zwei Stunde bekamen wir tatsächlich Robben zu sehen. Die neugierigen Tiere schwamen um unsere Kajaks herum und man hatte regelrecht Probleme die flinken Tiere vor die Kameralinse zu bekommen. Dass es in der Zwischenzeit das Regnen angefangen hatte, störte uns in diesem Moment kaum. Nach vier Stunden waren die Arme schwer und der Rücken schmerzte, vorbei war dieser Tag aber noch lange nicht.

Unser Guide empfahl uns den Nigardsbreen, einen Ausläufers des Jostedalsbreens zu besuchen. Dieser Gletscher ist Europas größter Festlandgletscher und von Marifjøra innerhalb einer Stunde zu erreichen. Dass der Nigardsbreen auch noch einer der leicht zugänglichsten Gletscher ist, kam uns nach diesem schon anstrengenden Tag sehr entgegen. Schon nach einer kurzen Wanderung standen wir vor dem tiefblauen Eis. Riesengroß züngelt sich der Gletscher durch das tiefe Tal und spuckt Unmengen an frischem Gletscherwasser aus. Ein beeindruckendes Erlebnis aber auch gleichzeitig sehr bedrückend, wenn man bedenkt, dass der Nigardsbreen dank des Klimawandels innerhalb weniger Jahre um mehrere hundert Meter abgeschmolzen ist.

Nach diesem erlebnisreichen Tag machten wir uns auf den Weg nach Bergen. Die Stadt ist Ausgangsort und Ziel vieler Kreuzfahrtschiffe, was wir leider zu spüren bekamen. Bergen quoll regelrecht über vor Touristen und so kehrten wir der Stadt nach knapp einem halben Tag wieder den Rücken.

Wohin es uns danach hin verschlug, erfahrt ihr im vierten und letzten Teils unseres Berichts!

Hier geht es zu Teil I, Teil II und Teil IV!

Kommentar verfassen